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    In den südlichen Llanos Venezuelas (Bundesstaat Apure) fanden wir die Art in einer Lagune die zur Regenzeit mit dem Rio Capanaparo in Verbindung steht. Der Grund dieses flachen und leicht trüben Gewässers (April 2001, pH 6,0, Temperatur in den Randbereichen in denen A. vultuosa zu finden war: 35,3°C) war schlammig. Die Uferbereiche waren entweder stark verkrautet oder oder durch hereingefallenes Holz und die Wurzeln von am Ufer stehenden Büschen und Bäumen stark gegliedert. Hier lebten die Reusenmäuler gemeinsam mit Mesonauta egregius, Heros severus, Heros sp., Crenicichla wallacii, Aequidens metae, Microgeophagus ramirezi und Biotoecus dicentrarchus.. Viele kleine Salmler und Garnelen bildeten offensichtlich auch hier die Lebensgrundlage dieser Räunber. Am oberen Orinoco (Territorio Federal Amazonas) fanden A. vultuosa im dunkel teefarbenen Schwarzwasser des Rio Atabapo ( pH 4,5, Temperatur: 32,4°C ) vergesellschaftet mit Pterophyllum altum, Mesonauta insignis, Heros severus, Hoplarchus psittacus, Cichla orinocensis, Crenicichla lugubris „Rot“, Crenicichla sp. „Atabapo“, Crenicichla lenticulata, Crenicichla cf. wallacii „Atabapo“, Apistogramma diplataenia, Laetacara sp. „Orangeflossen“ sowie einer Aequidens-Art. Auch hier hielten sich diese Buntbarsche in starl gegliederten Uferabschnitten auf.

    Allgemein kann man sagen, dass Reusenmaulbuntbarsche in Biotopen mit mineralarmem, weichen Wasser und mehr oder minder sauren pH-Werten leben. In all diesen Biotopen ändern sich jedoch die Verhältnisse mit Beginn der Regenzeit schlagartig. Mit dem Regen steigt der Wasserstand und die Gewässer überfluten die umgebende Landvegetation. Das Nahrungsangebot ist dann für die meisten Fische sehr groß. Gleichzeitig sinkt die Wassertemperatur und auch die chemischen Parameter verändern sich je nach Standort grundlegend.

    Daher kann es an diesen Parametern allein kann offensichtlich nicht liegen, dass diese Buntbarsche bis heute als heikel und schwer züchtbar gelten. Eine Grund für mangelnde Zuchterfolge ist oft das Fehlen der für die Fische passenden jahreszeitlichen Rhythmik. In der heutigen technisierten Zeit ist es nämlich leider unter den Aquarianern üblich geworden, die gehaltenen Tiere das ganze Jahr über bei gleichbleibenden zu halten. Unter solchen Bedingungen vergreisen viele unserer Fische sehr schnell und dann wird gerätselt was der Grund für die Hinfälligkeit der Fische wohl sei. Oft sind es dann die Wasserwerte, die schnell zitiert werden. Das Wasser wäre zu hart, heißt es, der ph-Wert und die Temperatur müsse in bestimmten engen Bereichen eingestellt werden. So eilt manchem Fisch der Ruf voraus kompliziert in der Haltung und schwierig in der Zucht zu sein. Einige Fische aus Extremlebensräumen, wie z.B. spezialisierte Schwarzwasserbewohner  brauchen in der Tat für die erfolgreiche Haltung oder gar Zucht auch die entsprechenden Wasserwerte. Bietet man Wildfangtieren keine passenden Bedingungen treten langfristig Gesundheitsprobleme auf oder die Fische wollen einfach nicht laichen. Dies kann sich bei den Nachzuchtgenerationen aber schon geben. Die meisten südamerikanischen Fische laichen jedoch durchaus auch in Wasser, dass nicht einmal sonderlich weich oder sauer sein muss. Viele Arten tun dies allerdings nur wenn man ihnen auch gewisse saisonale Schwankungen bietet, die in der Natur oft erst Auslöser für Geschlechtsaktivitäten bilden. So beginnen viele amazonische Fische mit Beginn der Regenzeit ihre Laichwanderungen und auch andere stationäre Fische werden zu Balzaktivitäten animiert. So empfiehlt es sich im Aquarium die natürliche Rhythmik der Fische zu simulieren.

    Füttert man seine Fische eine längere Zeit mäßig, wechselt seltener das Wasser und hält die Temperaturen je nach Herkunft der Fische verhältnismäßig hoch heißt dies für die Fische: Es ist Trockenzeit!  Wird dann über eine Zeit sehr häufig das Wasser, wenn möglich mit kühlerem Frischwasser, gewechselt und kräftig gefüttert beginnt für die Fische die Regenzeit und dann beginnen bei vielen Arten die Balzaktivitäten. Bei Züchtern sehr spezialisierter Fische geht dies soweit, daß Regensprinkleranlagen und starke Strömungspumpen eingesetzt müssen, ja Tage mit niedrigem Luftdruck abgewartet werden. Dies ist aber glücklicherweise bei unseren Reusenmaulbuntbarschen, wie auch bei den meisten anderen Fischen aus Amazonien nicht nötig.

    Reusenmäuler sind als überwiegend dämmerungsaktive Tiere zurückhaltende, ja fast scheue Fische, die gern in ihren Unterständen verharren und dort auf Beute lauern. Helles Licht mögen sie nicht. Sie werden dann ängstlich, gehen nicht ans Futter und werden anfällig für Krankheiten. Ein geeignetes Aquarium für Reusenmäuler soll also viel Verstecke in Form von Wurzelholz, Steinen und anderen Materialien bieten. Eine Schwimmpflanzendecke sollte für gedämpftes Licht sorgen. Aber man kann natürlich auch einfach eine schwache Lichtquelle verwenden, die vielleicht nur einige Abschnitte des Aquariums beleuchtet, andere aber im Schatten belässt. So gehalten fühlen sich Reusenmaulbuntbarsche wohl, vorausgesetzt man vergesellschaftet sie mit nicht allzu aggressiven oder hektischen anderen Fischen. Grundsätzlich ist es nach meinen Erfahrungen immer besser Acaronia mit anderen Fischen zu vergesellschaften. Die herumschwimmenden Gesellschaftsfische nehmen den argwöhnischen Reusenmäulern nämlich die Scheu. Dies ist ein wichtiger Faktor, will man diese Buntbarsche zur Vermehrung bewegen. Es ist immer eine Gratwanderung denn einerseits sollen die Mitinsassen so groß sein, dass sie als Beute nicht in Frage kommen, andererseits dürfen diese keineswegs so aggressiv sein dass die Reusenmäuler einzuschüchtern vermögen. Die meisten Cichliden sind daher für die Vergesellschaftung mit Acaronia ungeignet. Sie sind zu robust und unterdrücken die scheuen Reusenmäuler. Als relativ friedfertige Cichliden sind hingegen Skalare, Flaggenbuntbarsche oder auch die Arten der Erdfressergattung Satanoperca gut zur Vergesellschaftung geeignet. Ich selbst habe gute Erfahrungen mit größeren Salmlern der Gattungen Bryconops, Tetragonopterus oder auch den räuberischen Acestrorhynchus gemacht. Stimmen jene Faktoren wie Vergesellschaftung, Einrichtung und Beleuchtung stehen die Chancen nicht schlecht mit reichlichem Fischkindersegen von den Reusenmäulern belohnt zu werden. Die Wasserchemie spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.

Adultes Paar von A. vultuosa Kämpfende und drohende Männchen von A. vultuosa

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